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Grund- und Gesamtschule Helios
Helios-Gelände, Köln-Ehrenfeld, 2015, 1. Preis
Zusammenarbeit mit Irene Lohaus Peter Carl Landschaftsarchitektur


Idee

Es gibt Gebäude, in die man unbedingt hinein will. An deren Fenstern man sich – falls doch einmal geschlossen sein sollte – gelegentlich die Nase platt drückt.

Weil solche Gebäude anders sind, formal weniger festgelegt, in der Raumkonstellation nicht so vorhersagbar, in den Nutzungszusammenhängen offener und vielfältiger.

Gebäude, die es verstehen, die Architektur in der Schwebe zu halten zwischen ihren vielfältigen möglichen Destinationen, zwischen Kulturzentrum, Werkstatt, Denkfabrik, Lernort oder urbanem Aufenthaltsbereich.

Gebäude, die keine Angst vor Größe haben, aber gleichzeitig genau so wenig Angst vor Differenzierung. Die keine Ressentiments und Bedenken ausstrahlen, sondern Forschergeist. Die etwas zur Zukunftsfähigkeit des städtischen Quartiers beitragen wollen.

Die Rotterdamer van Nelle Fabriek von Mart Stam ist beispielsweise in ihrer ursprünglichen Bestimmung als Fabrik sowie in ihrer heutigen Funktion als Kulturzentrum ein solcher Ort.

Denn genau hier sehen wir die Problematik und auch das architektonische und städtebauliche Potential des Projekts: Wenn man sich dazu entschließt, an diesem von vielfältigen Einflüssen geprägten Standort eine große Schule zu bauen, dann sollte man die auf Forschergeist und Vernunft gegründete industrielle Prägung des Ortes aufnehmen und gleichzeitig das Quartier um eine ganz neue Dimension gesellschaftlich verankerter Relevanz bereichern.

In dieser Hinsicht kommt es uns darauf an, dem Bauwerk ein architektonisches Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben, welches sich nicht primär aus zeitgebundenen Formvorstellungen oder gefälligen Bildern, sondern eher aus Nutzung, Raumkonstellation, Konstruktion und gesellschaftlicher Relevanz herleitet: ganz grundsätzlich urban, vernünftig, räumlich, sinnlich, vielfältig, lebendig.

In seiner stadträumlichen Konstellation und baulichen Ausprägung bildet der Entwurf die lebendige Vielfalt der Bezüge und Möglichkeiten ab, welche durch die Schullandschaft inhaltlich geschaffen werden. Gleichzeitig entsteht ein sofort spürbarer Zusammenhalt und es wird eine eingängige Identität im Sinne aller Stadtbewohner herausgebildet.

Die Umgebung wird dabei konzeptionell und sinnlich behutsam einbezogen und die neuen Gebäude zum integrativen Bestandteil des Quartiers. Ein großes Spektrum an sorgfältig ausformulierten Blick-, Raum- und Wegebeziehungen sowohl im Gesamten als auch im Inneren der Gebäude trägt zu einem anregenden und zukunftsorientierten Lern- und Lebensraum bei.


Städtebau

Auf Basis der vorgegebenen städtebaulichen Konzeption wird ein nach allen Seiten hin gleichwertiges differenziertes Erscheinungsbild sowie eine offene, der jeweiligen Lage im Stadtraum angemessene Anordnung der erdgeschossigen Nutzungen angestrebt, wodurch die umgebenden Stadträume in ihrer jeweiligen Identität gefördert werden.

Zu Vogelsanger Straße und Gürtel öffnen sich Ateliers, die Schülerfirma, Werkstätten sowie Musik- und Kunsträume. Der Eckbereich am Ehrenfeldgürtel wird bewusst offen gestaltet, um eine attraktive Verbindung zwischen Gürtel und dem Eingang zur Schule bzw. zum Quartiersplatz zu schaffen.

Der Bereich zur süd-westlich angrenzenden Neubebauung erhält eine besondere Charakteristik durch den großzügigen Einblick in die Sporthallen.

Der neu geschaffene zentrale Platz zwischen Schule und Helioshalle könnte in seiner Eigenschaft als ruhiger zentraler Quartiersplatz eine abwechslungsreich differenzierte Nutzung sowie eine besondere Atmosphäre durch hohe schlanke Bäume sowie farbige Lichtgestaltung erhalten. Hier sind in großzügiger Form die öffentlichkeitsrelevanten Nutzungen Mensa und Forum angegliedert.
Die wichtige Verbindungsachse zwischen Vogelsanger Straße und Helioshalle wird durch die Anordnung des Haupteingangs zusätzlich gestärkt. Gegenüber dem Haupteingang öffnet sich eine zusätzliche gut nutzbare Freifläche, welche als Werkhof den Ateliers und Werkstätten zugeordnet ist.

Durch die ringsum gleich bleibende moderate Höhenentwicklung, die auf allen Seiten durch eingeschnittene Höfe entstehende Baukörpergliederung sowie die unterschiedlichen Nutzungszuordnungen ergibt sich ein attraktives und abwechslungsreiches Gesamtbild, welches sich in den Maßstab der Umgebung besonders gut einfügt.


Architektonisches Konzept

Die mit einem schönen Lichthof versehene zweigeschossige zentrale Eingangshalle verbindet alle Bereiche der Schule miteinander. Durch eine großzügige Treppe und einen leicht zugänglichen Aufzug sind die Obergeschosse einfach und auf kurzem Weg zu erreichen.

Erdgeschossig sind der Sportbereich, Kunst und Musikräume sowie der zweigeschossige Mensa/Forumsbereich direkt an die Eingangshalle angeschlossen.

Im 1.OG liegen die Bibliotheks- und Selbstlernbereiche mit den zur Halle hin offenen Aufenthalts,- Kommunikations- und Arbeitszonen. Direkt daran angrenzend befinden sich hier in einem separaten Bereich die studentischen Seminar- und Arbeitsräume.

Im 2.OG und 3.OG sind alle Lernbereiche mit zentraler Erschließung an unterschiedlichen Plätzen und Höfen angeordnet. Es entstehen Lernlandschaften mit vielfältigen Möglichkeiten sowie ein Reichtum an räumlichen Wahrnehmungen und direkten Außenbezügen. Die äußerst flexible Anordnung und Auslegung der Lernbereiche bietet viele Möglichkeiten einer detaillierten Weiterentwicklung im gemeinsamen Dialog mit den Nutzern.

Verwaltung, Fachräume sowie der kleine Sportbereich sind im Baukörper Venloer Straße/Ehrenfeldgürtel angeordnet und über eine Brücke angebunden.

Generell können alle Bereiche, welche unterschiedlichen Nutzergruppen zugeordnet sind (Sport, Semi-narräume, Forum...) auch zu unterschiedlichen Zeiten, beispielsweise abends, unabhängig genutzt werden.

Die vielfältigen räumlichen Eigenschaften und Phänomene des Bauwerks werden in konstruktiver Hinsicht auf der Basis eines Betonskelettbaus mit sehr regelmäßigem Stützraster generiert. Diese architektonische Ordnung kann man an jeder Stelle des Gebäudes wahrnehmen, ohne dass sie sich aufdrängt.

Jedes sorgfältig ausformulierte Detail bezieht sich schon im Konzept auf das ganze Gebäude. Auf die ihm zugrunde liegende Konstruktion, auf deren funktionale Konzeption, auf deren Kontext, auf die Schule, auf die Gesellschaft.