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Hotel am Friedrichswall, Hannover
Fassadengestaltung, Dachgeschossaufstockung, Erdgeschosszone mit Aussenanlagen, 2015, 3. Preis


Stadtraum

Unmittelbar am Cityring, gegenüber dem Neuen Rathaus gelegen, mar-kiert das Hotelgebäude am Friedrichswall den südlichen Rand zur Altstadt.
Mit seiner zeittypischen Baukörpertypologie ist es ein markantes, eigenständiges, in sich ruhendes Element, das sich selbstbewusst in eine Kette bedeutender Bauten an der Ringstraße einreiht und die Erscheinung der Stadt an dieser Stelle prägt.
Durch die eingeschossigen Hotelanbauten, die als öffentliche Funktionen Restaurants und einen multifunktionalen Veranstaltungssaal aufnehmen, werden vor den Zugän-gen des Hotels im westlichen Bereich zwei Plätze gebildet.
Im Norden, als fließender Übergang in den städtischen Raum der Altstadt ausge-prägt, entsteht ein ansprechender Ort mit Restaurant und gastronomischen Außenbe-reichen, der zum Verweilen einlädt.
Der südliche Vorbereich des Hotels, am Friedrichswall bietet durch seinen Sockel und die vorgeschlagene Umrahmung des Platzes mit niedrigen Pflanzbeeten und einem Wasserbecken eine geschütztere Atmosphäre an der stark befahrenen Straße.
Für die erdgeschossigen Anbauten schlagen wir vor, diese bündig mit der östlichen Stirnseite des Hotels abzuschließen, um den Wegraum zwischen Theodor-Lessing Platz und Rathaus städtebaulich klar zu definieren und den Charakter der Passage in diesem Bereiche zu stärken.


Fassaden

Die Struktur der Fassaden mit ihrem Wechsel aus großen geschlossenen und geöffneten Flächen gibt dem Hotel am Friedrichswall ein neues, modernes Ge-sicht. Durch das optische Zusammenfassen von jeweils zwei Geschossen relativiert sich die Maßstäblichkeit zu den direkten Nachbargebäuden. Auch vermittelt es zwi-schen den kleineren Gebäudestrukturen der Umgebung und der Großmaßstäblichkeit des gegenüberliegenden Rathauses, dessen Bild sich in den Glasflächen des Hotels spiegelt.
Die Großzügigkeit dieser Fassadenstruktur schafft ein ruhiges, elegantes Erschei-nungsbild. Dabei bewirken die leicht schräg gestellten Wandelemente und die ver-setzte Anordnung von offenen und geschlossenen Feldern ein hohes Maß an Plastizi-tät und Dynamik, die dem kastigen Volumen des Baukörpers die Schwere nehmen und ihn besser ins Umfeld integrieren.
Die vorgeschlagene Fassadenstruktur überspielt die aus dem Bestand vorgegebenen und aus statischer Sicht notwendigen geschlossenen Bereiche, so dass ein homoge-neres Bild geschaffen wird.
Die horizontale Betonung durch Betonfertigteilbalken, die Geschossdeckenplatten suggerieren, lässt das Gebäude nochmals niedriger erscheinen.
Die Ganzglasfassade der erdgeschossigen Anbauten wickelt sich, beginnend an den Eingängen des Hotels, wie ein Band um das Gebäude herum. Somit wird der öffentli-che Charakter der Funktionen, die sich hinter der Fassade befinden, betont. Der Hauptzugang zum Gebäude wird zusätzlich sowohl auf der Süd- wie auch auf der Nordseite durch eine großzügige Überdachung akzentuiert.
In Analogie zur Glasfassade im Erdgeschoss stellt sich die Skybar ebenso als leichter Glaskörper in gleicher Konstruktionsweise dar. Eine 2m hohe Glasbrüstung dient als Absturz- und Windschutz.

Die Materialität der geschlossenen Wandelemente, ein sorgfältig ausgesuchter, heller Ziegel in handwerklicher Arbeit ausgeführt, nimmt einen Bezug zur neuen Fassade des Nachbargebäudes auf. Dabei wird das Material, der Ziegel, aufgegriffen und wird durch die formale Ausprägung der Fassadenstruktur des Hotels in einen neuen Kon-text gesetzt. Die Farbigkeit des Ziegels korrespondiert wiederum mit der Naturstein-fassade des Rathauses.
Insgesamt soll das Äußere des Gebäudes im Material zurückhaltend und homogen gestaltet werden und sich auf die umgebenden Gebäude beziehen.

In technischer Hinsicht erscheint es zweckmäßig, die Hotelfassaden in durchgehende Ebenen zu gliedern. Somit verläuft vor den bestehenden Deckenplatten mit ihren Un-terzügen die neue Dämmebene mit entsprechender Dämmstärke, gedämmten Fens-terprofilen mit 3-fach Isolier Sonnenschutzverglasung, womit sich die geforderten Werte der EnEV (-15%) erreichen lassen. Die plastischen Betonfertigteilelemente werden auf einfache Weise, thermisch entkoppelt, vorgehängt und bilden die Basis für die Vorsatzschale der hellen Ziegel.